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Juli 2017

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Food Revolution 5.0 – die Zukunft unserer Ernährung

Food Revolution 5.0

In der Ausstellung Food Revolution 5.0 beschäftigt sich das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) mit einer der dringlichsten Fragen des 21. Jahrhunderts: Wie sieht die Zukunft unserer Ernährung aus?

Essen ist ein Sinnbild für das Leben, stiftet Identität, Heimat und kulturelle Regeln. Für den Ethnologen Claude Levi-Strauss markiert das Kochen von Nahrung die erste kulturelle Handlung des Menschen und damit den Beginn von Zivilisation und Handwerk.

Obstschale

Esskultur im Wandel

Essen besitzt einen zentralen Stellenwert als soziales und kommunikatives Ereignis. Über die lebensnotwendige Nahrungsaufnahme hinaus ist Essen sowohl eine Quelle der Lust als auch von Leid. Es vermittelt Genuss und erregt Ekel, spiegelt Armut und Wohlstand, fördert die Gemeinschaft und zwischenmenschliche Beziehungen. In den Ernährungsgewohnheiten und Tischsitten spiegeln sich kulturelle Kodierungen und gesellschaftliche Strukturen.

Die Food Revolution 5.0 verdeutlicht den fundamentalen Wandel, dem unsere Esskultur im Verlauf des 20. Jahrhunderts unterlag. Die Gesellschaft wird immer mobiler, wodurch sich die täglich festgelegte Abfolge der Mahlzeiten weitgehend aufgelöst hat. Statt gemeinsamer Mahlzeiten findet die Nahrungsaufnahme zunehmend unterwegs, alleine und zu jeder Uhrzeit statt. Durch die zunehmende Digitalisierung auch privater Lebensbereiche, die Integration von Internet und Smartphones in den Alltag, sind zwar einerseits viele neue Möglichkeiten der Kommunikation entstanden. Im gleichen Zuge aber haben die Mahlzeiten ihre ursprüngliche Funktion als gemeinschaftlicher sozialer Akt eingebüßt. Dass und wie viele Stadtmenschen heute allein essen, dokumentiert hier z.B. die Japanerin Miho Aikawa in ihrer Fotoreportage Dinner in NY & Dinner in Tokyo.

Essen als Ersatzreligion vs. Hunger & Armut

In der heutigen Überflussgesellschaft hat sich Essen zum kreativen Selbstdarstellungsmittel und zur Ersatzreligion entwickelt. Auf der anderen Seite machen explosionsartig steigende Bevölkerungszahlen, der Klimawandel, Ressourcenknappheit, Hunger und Armut, wachsende Anforderungen an Gesundheit und Hygiene sowie geopolitische Krisen ein Umdenken bezüglich Produktion, Verpackung, Vertrieb, Konsum und Entsorgung zwingend notwendig. Der globale Lebensmittelmarkt ist durch Machtkonzentration, Intransparenz, eine ungerechte Verteilung der Ressourcen und Skandale gekennzeichnet.  Zwar wissen wir, dass für unseren Genuss ein Tier sterben muss, blenden den Prozess des industrialisierten Tötens aber aus.

Champignons

Designer stärken Bewusstsein und präsentieren Innovationen

Die Schweizer Designerin Andrea Staudacher hat eigens für die Ausstellung ein Hausschwein geschlachtet. Staudacher will diesen Vorgang mittels sinnlich-subjektiver Erfahrung wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

Viele weitere Exponate in der Ausstellung zeigen Beispiele, den Problemen der Zukunft mit innovativen Ideen zu begegnen. Exemplarisch sei hier die Freilandküche des niederländischen Designers Ton Matton genannt, die unabhängige Selbstversorgungstechniken wie Solarenergie oder Regenwasser nutzt, das über eine interne Abwasserkläranlage gesäubert wird.

Algen und Mehlwürmer gegen Hunger und Umweltzerstörung

Der globalen Viehwirtschaft als Hauptverursacher der gegenwärtigen Umweltbelastungen durch CO2 begegnen Forscher mit vielerlei Ansätzen. Hanan Alkouh aus Kuweit entwickelt mit einer Idee in ihrem Projekt Sea-Meat Seaweed eine Fleischalternative aus Dulse Seetang. Gebraten schmeckt die Alge wie Schinkenspeck und ist voller Mineralstoffe, Vitamine und Antioxidantien. Das Superfood lässt sich wie Fleisch verarbeiten und würde die traditionellen Berufe des Schlachters oder Metzgers erhalten.

Mehlwürmer als Food Revolution

Neben Algen gelten Insekten als weitere wichtige Proteinquelle der Zukunft, werden aber vor allem in Europa mit Ekel und Schmutz assoziiert. Mit ihrem Projekt Falscher Hase oder Bugs’ Bunny will die deutsche Designerin Carolin Schulze die Ernährungsgewohnheiten reflektieren und positive Erfahrungen mit Insektenfleisch ermöglichen. Sie verarbeitet Mehlwurmpaste mit dem 3D-Drucker zu Gerichten mit vertrauten Namen.

Das MKG nähert sich dem komplexen Thema Ernährung in der Zukunft in den vier Erzählsträngen Farm, Markt, Küche, Tisch. Ergänzt wird die Ausstellung durch Design-Objekte für die Küche aus der museumseigenen Sammlung.

Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Oktober 2017 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg am Steintorplatz zu sehen.

http://food.mkg-hamburg.de 

Verfasser: Stefan Gropp

Quelle: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, PR